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Die Städtepartnerschaft zwischen Buchholz und Järvenpää ist offiziell besiegelt!
Am 8. und 9.April 2005 wurde in Buchholz in der Nordheide gefeiert. Die Städteparnerschaft zwischen Buchholz und Järvenpää wurde auf einer festlichen Sondersitzung des Buchholzer Rates unterzeichnet. Der Festakt begann paneuropäisch. Schüler und Schülerinnen der Klasse 3b der Waldschule sangen mit Inbrust in fünf sprachen "Bruder Jacob" - auf deutsch, englisch, französisch, polnisch und finnisch,- und begrüßten danach die Gäste in ihren Muttersprachen. Die Schüler pflegen Briefkontakte mit einer Grundschulklasse in Pajala in Järvenpää. Ein Zeichen für gute Zusammenarbeit heute und in der Zukunft!
Der Buchholzer Bürgermeister Norbert Stein begann seine Rede mit einem Zitat aus dem "Kleinen Prinzen" von Antoine de Saint-Exupery: "Dein Freund ist da, dich willkommen zu heißen" und fuhr fort "Ich habe unsere neuen Freunde längst in mein Herz geschlossen und freue mich auf eine gute Partnerschaft zwischen unseren Städten" Tatsächlich sprang der Funke zur Freundschaft schon vor zwei Jahren über, als der Bürgermeister Erkki Kukkonen mit seiner Delegation das erste Mal in Buchholz war. Es war ein unvergessliches Stadtfest. Darüber schwärmte auch noch Erkki Kukkonen in seiner Rede. Das Buchholzer Stadtfest wurde zum Vorbild des seit dem jährlich stattfindenden Järvenpää-Tages. Die Städtepartnerschaft mit Buchholz erfüllt für Järvenpää einen lang bestrebten Wunsch. Seit 1995 hatte Järvenpää eine Partnerstadt in Deutschland- das der größte Handelspartner Finnlands ist - gesucht. Jetzt sei der " lang ersehnte Schritt in eine hoffnungsvolle Zukunft" gemacht. Der Bürgermeister Stein hatte vorhin die Eigenschaften der guten Städtepartnerschaft genannt:" der Ungehinderte Gedankenaustausch über Ländergrenzen und weite Entfernungen hinweg, das persönliche Kennenlernen, das knüpfen von Freundschaften, die enge Zusammenarbeit trotz unterschiedlicher Mentalitäten, das voneinander Lernen und aneinander Wachsen."
Der finnische Generalkonsul Mikko Jokela appellierte an die Bürger in Buchholz und Järvenpää, die Freundschaft mit Leben zu füllen. "Städtepartnerschaften sind keine Verwaltungsangelegenheiten, sondern ein Aufbau von menschlichen Beziehungen über Ländergrenzen hinaus", betonte Herr Jokela.
Annie Le Brun, Gesandte aus der französischen Partnerstadt Canteleu wünschte "der neuen Union viel Erfolg und dass sie viele menschliche, kulturelle und sportliche Begegnungen" erlebe. Diesen Wunsch schlossen sich auch die Freunde aus Wohlau in Polen in ihren schriftlichen Gruß. Sie blieben wegen der Beisetzung des "großen Landsmannes Johannes Paul II. fern.
Die guten Wünsche fielen auf fruchtbaren Boden. Nach der Unterzeichnung und dem musikalischen Beitrag von Pianist Ralf Lehnert wurde noch lange mit guten Speisen und Getränken "die Freundschaft zwischen den Völkern Europas" gefeiert. Der Bundesvorsitzender der DFG, Asmus Link, war sichtlich zufrieden über die harmonische freundschaftliche Stimmung während der Feier. Das bestätigte auch Markku Nurminen, Vorsitzender des Landesvereins DFG-Nord, der an beiden Abenden einer von den letzten Gästen war, der nach Hause fuhr. Annie le Brun, Stellvertretende Bürgermeisterin von Canteleu, war so begeistert, dass sie den Bürgermeister Kukkonen mit seiner Delegation zum 30-jährigen Jubiläum von Buchholz und Canteleu nach Canteleu einlud. Es war Völkerfreundschaft wie aus dem Bilderbuch.
Den nächsten Vormittag besuchten die finnischen Gäste den Buchholzer Markt. Er ist ja sehr beliebt und spiegelt die Vitalität der Nordheidestadt wider. Die eine und andere Delikatesse fand ihren Platz in den Koffern, die auf dem Hinweg mit Gastgeschenken gefüllt waren. Am Nachmittag wurde in großer Runde ein Arbeitsgespräch durchgeführt. Nach Danksagungen beider Bürgermeister zur Begründung der Städtepartnerschaft und gelungenen Abend der Urkundenunterzeichnung nennt Bürgermeister Kukkonen nochmals die Schwerpunkte der Partnerstädte: die Jugend, die Kultur und die wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit. Er wünsche sich "die Förderung der Kontakte und Zusammenarbeit der Menschen und Organisationen." Es wurde über konkrete Termine gesprochen. Aus Järvenpää wird die EU-Managerin Leena Ritala mit dem Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins Lothar Mallon nach Buchholz reisen, um die konkrete Planung zwischen den Partnerstädten fortzuschreiten. Zum Järvenpää-Tag am 7. Mai wird ein Vertreter der Deutsch-Finnischen-Gesellschaft mit reichlich Infomaterial gesandt. Eventuell wird aus Järvenpää ein Vertreter an der EU-Konferenz vom 19.-22.5.05 in Wohlau teilnehmen.
Buchholz und Järvenpää sollen im Internet verlinkt werden. Järvenpää startet eine große PR-Aktion um die Städtepartnerschaft den Bürgern bekannt zu machen. Herr Kukkonen war sehr interessiert auch an den Freizeitmöglichkeiten in der Lüneburger Heide. Tatsächlich bietet Buchholz als Tor zur Heide viele schöne Freizeitangebote an, wie Reiten , Fahrradfahren, Wandern und Kanufahren. Das Heideblütenfest im August im Stadtteil Holm-Seppensen könne neben dem Buchholzer Stadtfest bei den Järvenpääern Interesse wecken. Die Lüneburger Heide ist mit ihrer Geschichte und Natur in Finnland wohlbekannt.
Der schon angefangene Schüleraustausch wird weiter stark unterstützt - und Herr Kukkonen regte auch einen Lehreraustausch an. Es ist ja wie eine sechs im Lotto für die Buchholzer Schulen, dass sich die Pädagogen vor Ort ein Bild machen können über die siegreichen Lehrmethoden im PISA-Siegerland Finnland. Die Schulen in Järvenpää haben über dem Landesdurchschnitt abgeschnitten, und arbeiten mit dem Bildungsministerium eng zusammen. Auch Schüleraustausch zwischen den Berufsbildenden Schulen soll angeregt werden.
Es wurde eine Einladung nach Järvenpää ausgesprochen in Zusammenhang mit dem VIII. Kongress der finnischen und deutschen Partnerstädte in Hyvinkää am 15.-16.6.05 zum Thema "Städte für ein stärkeres Europa".
Nach zweistündiger Ruhepause ging es am Abend in dem Kunstverein weiter. Dort wurde eine Kunstausstellung "Finnische Impressionen" von drei järvenpääer Künstlern, Hannu Hyrske, Hannele und Jukka Kinanen, eröffnet. Nach den kurzen Begrüßungen der Bürgermeister Erkki Kukkonen und Norbert Stein sprach Marianne Sinemus-Ammermann von dem Finnischen Generalkonsulat in Hamburg den offiziellen Gruß des Finnischen Staates aus. Sie erzählte auch mitreißend allgemein über der finnischen Kunst, die in Deutschland doch nicht unbedingt bekannt sei. Frau Eischer, Vorsitzende des Freundeskreises Buchholz-Järvenpää der Deutsch-Finnischen-Gesellschaft betonte die Bedeutung dieser Ausstellung als "Beginn des offiziellen Kulturaustausches zwischen Buchholz und Järvenpää. Die Deutsch-Finnische-Gesellschaft wird sich auch künftig für Kulturaustausch einsetzen, auch auf anderen künstlerischen Gebieten." Eine der wichtigstenAufgaben der DFG ist die Verbindungen zwischen Finnland und Deutschland zu stärken und mit mehr Leben zu erfüllen.
"In diesem Zusammenhang gilt "ein recht herzlicher Dank an alle, die an der Entstehung der neuen Städtepartnerschaft zwischen Buchholz und Järvenpää mitgewirkt haben, an all diejenigen, die an der Organisation dieser Ausstellung und Gestaltung dieser Feier beteiligt waren.Unserer besonderer Dank gilt auch dem Finnischen Generalkonsulat in Hamburg. für ihre Unterstützung und Teilnahme am gestrigen und heutigen Tag."
Der Kunsthistoriker Dr. Sven Nommensen stellte auch Buchholzer Künstler mit gewissem Stolz vor. "In der Arthothek der städtischen Bibliothek kann man sich davon überzeugen, in welcher Breite und Qualität die Buchholzer Künstler zu überzeugen wissen. Namen wie Hans-Jörg Bengel, Elke Kegel-Jüdis, Bettina Ulitzka-Allali, Martin Lühker, Jan Amelungen und Felix Loycke (heute in Berlin arbeitend und lebend) sind über die Buchholzer Stadtgrenzen bekannt.
Nun aber zu den Künstlern aus Järvenpää. Alle drei Künstler arbeiten mit traditionellen graphischen Medien und weisen eine große Kunstfertigkeit im Umgang mit der jeweiligen Zeichentechnik auf.
Heidi Hannelle Kinanens Blick entblößt die psychologische Existenz des Menschen durch Einfühlsamkeit und großer Sensibilität. Es ist ein exakter Blick, der trotz seiner entwaffnenden Fähigkeiten nie in die Banalität oder ins Klischee abgleitet. Durch die Beschränkung auf die wesentlichen Gesichtszüge erhalten die Bilder eine Konzentration, die den Betrachter in ihren Bann ziehen.
Jukka Martti Kinanen arbeitet mit der Aquatintatechnik und bevorzugt botanische Motive. Hiermit nimmt er unter anderem Bezug auf Pflanzensystematiken, wie sie vor allem im 19. Jahrhundert entstanden sind. Ergänzt werden die detailreichen Wiedergaben von Pflanzen durch Initialien, was den Charakter einer wissenschaftlich-positivistisch ausgerichteten Bestandsaufnahme verstärkt.
Hannu Hyrske schafft Arbeiten von beeindruckender psychologischer Wirkung. Die surrealen Bildkompositionen evozieren eine unwirkliche Atmosphäre jenseits der Realität. Der Betrachter verliert sich in der düsteren Stimmung, in der verzerrten Realitätswiedergabe und den Träumen entliehenden Welten. Vielleicht ist bei Hannu Hyrske im Vergleich mit den zwei anderen Künstlern noch eine Spur von nordischer Melancholie und dem Trollenspuk zu finden." Nach einem Dank an die Stadt Järvenpää äußert Herr Nommensen noch einen Wunsch:
Dass unsere" Künstler ihre Arbeiten in absehbarer Zeit in Järvenpää präsentieren können, damit es zur gegenseitigen kreativen Inspiration kommt und sich diese auf viele Gebiete künstlerischen Schaffens ausbreiten."
Nach der Eröffnung dieser Ausstellung hatte der Freundeskreis Buchholz-Järvenpää einen kleinen Imbiss mit Getränken vorbereitet. Musikalisch wurde der Abend untermalt von der Skifflegruppe LEEDERKROOM. Einige der Musiker sind schon auf vielen internationalen Festivals, unter anderem auch in Finnland, aufgetreten. Und es wurde gefeiert bis in die späte Nacht. Zwischendurch gab es eine Tango-Vorführung, welche die Gäste auch zum Tanzen animierte.
Aber wie kam es zu dieser Städtepartnerschaft?
Für den Bürgermeister Norbert Stein lag der Anfang eindeutig an dem Sand. In Buchholz gibt es etwa 60 km Sandwege, die der Stadtverwaltung schon lange Kopfschmerzen verursachen. Nun wollten die Buchholzer wissen, wie die Finnen mit ihren tausenden von Kilometern Sandwege zurecht kommen. Es wurde überall berichtet, dass die in Finnland in gutem Zustand sind. Wie ist es möglich? Wie komme ich am besten an dieses Wissen ran? Wie wäre es mit einem Kontakt und Zusammenarbeit mit einer finnischen Stadt?
Der Ratsfrau Eischer passte die Idee zur Zusammenarbeit wunderbar. Sie schwärmte für die idyllischen Sandwege in Finnland, die in ihrer Wahlheimat in Buchholz ein "Heimatgefühl" vermittelten. Aber noch wichtiger für sie waren die Möglichkeiten zur Verbesserung der schulischen Situation in Buchholz mit dem Vorbild der finnischen pädagogischen Ansichten und Lehrmethoden. Die erste PISA -Untersuchung war gerade aktuell. Mehrere Buchholzer Pädagogen und Politiker zeigten große Interesse am finnischen Unterrichtswesen.
Susanne Graf, ein langjähriges Mitglied der Wirtschaftjunioren Stade, wusste Bescheid, dass Järvenpää eine Städtepartnerschaft mit einer deutschen Stadt sucht. Järvenpää passt ja hervorragend zu Buchholz mit vielen Ähnlichkeiten -besser als keine andere Stadt in Finnland. Nun war der Bürgermeister Stein gar nicht so abgeneigt gegen die Kontaktaufnahme Richtung Järvenpää. Dies passierte über den dortigen "Suomi-Saksa-Seura".
Also was macht man? Am besten feiert man zusammen. Der Bürgermeister Stein lud den Bürgermeister Kukkonen mit Begleitung aus Järvenpää zum Buchholzer Stadtfest 2002. Die beiden Bürgermeister verstanden sich auf Anhieb hervorragend. Dieser Stadtfest beeindruckte die Järvenpääer sehr in ihrer Vitalität. Er führte unmittelbar einen Järvenpää-Tag nach Buchholzer Vorbild ein.
Es folgte ein Gegenbesuch. Die Buchholzer waren sehr begeistert von Järvenpää: vorbildliche Schulen, bemerkenswerte Kultureinrichtungen, nette Menschen - und gutgepflegte Sandwege. Was für ein glücklicher Zufall für Buchholz, dass der jetziger Vorsitzender der "Tuusulanjärven Suomi-Saksa-Seura", Lothar Mallon, ein deutschstämmiger Straßenbauingenieur ist. Jetzt kann die Information ohne jegliche Sprachbarriere über Straßenbau in die Buchholzer Stadtverwaltung fließen! Vielleicht schaffen wir es doch noch, die idyllischen und ökologischen Sandwege in Buchholz zu retten.
Das Buchholzer Albert-Einstein-Gymnasium war sehr schnell mit Kontakten zum "Järvenpään lukio". Gegenseitige Besuche wurden schnell durchgeführt - ein Vertrag zur Zusammenarbeit unterschrieben. Jetzt ist der Schüleraustausch voll im Gange. Auch die Waldschule hat Kontakt mit "Pajalankoulu" in Järvenpää. Die Drittklässler schreiben fleißig Briefe- auf Englisch. Die Anregung des Bürgermeisters Kukkonen zum Lehreraustausch wird sicherlich auf fruchtbaren Boden fallen.
Ein Höhepunkt für die Beziehungen zwischen Buchholz und Järvenpää war die offizielle Begründung des Freundeskreises Buchholz-Järvenpää, als Bezirksgruppe Nordheide des Landesverbandes DFG Nord. Die sehr aktive und öffentlichkeitswirksame Arbeit des Freundeskreises Buchholz-Järvenpää trug Früchte. Im September 2004 waren auch die letzten Skeptiker im Buchholzer Stadtrat überzeugt, um der offiziellen Städtepartnerschaft zuzustimmen. Das Loch im städtischen Haushalt machte Sorgen. Aber die Möglichkeit zum Austausch in vielen verschiedenen Bereichen ist etwas unbezahlbar Wertvolles- und ermöglicht uns schnellere Wege zu besseren Lösungen der Probleme. Was gibt es Besseres, als mit guten Freunden gemeinsam für ein friedliches, freundliches, freies und geeinigtes Europa beizutragen!
Helena Eischer
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